Berichte - Martinsgemeinde Angermünde

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Lesepredigt während der Corona-Krise

Martinsgemeinde Angermünde
Veröffentlicht von in Predigttext · 22 März 2020
Lesepredigt während der Coronakrise für den 4. Sonntag in der Passionszeit, Lätare, 22. März 2020 für Freunde und Glieder der Martinsgemeinde Angermünde und der Missionsgemeinde Berlin-Marzahn:

Jesaja 66 Verse 10 bis 14
 
Freut euch mit Jerusalem und jauchzt in ihr alle, die ihr sie liebt! Jubelt mit ihr, alle, die ihr um sie trauert, auf dass ihr trinkt und satt werdet an der Brust ihrer Tröstungen, auf dass ihr schlürft und euch labt an der Brust ihrer Herrlichkeit!  Denn so spricht der HERR: Siehe, wie einen Strom leite ich den Frieden zu ihr und die Herrlichkeit der Nationen wie einen rauschenden Bach, auf dass ihr trinken könnt; auf der Hüfte werdet ihr getragen, auf Knien geschaukelt. Wie einen Mann, den seine Mutter tröstet, so tröste ich euch; in Jerusalem findet ihr Trost. Ihr werdet das sehen und euer Herz wird jubeln und eure Knochen werden sprossen wie frisches Grün. So offenbart sich die Hand des HERRN an seinen Knechten, aber er ergrimmt gegen seine Feinde.
 
Gebet:

Herr Jesus Christus, du bist das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen: wir bitten dich, erleuchte unsere Herzen mit deiner Gnade, dass wir dich als unseren Heiland erkennen. Lass uns nach der Finsternis der Welt bei dir in deiner himmlischen Herrlichkeit bleiben, jetzt und allezeit. Amen.

Text:
 
In Christus herzlich geliebte Gemeinde!
Was ist das für ein Lied? Was ist das für ein Text? Wie kann man solch ein Freudenlied anstimmen in diesen ernsten Zeiten? Es ist doch eher zum Heulen, wenn wir die Bilder im Fernsehen aus Italien verfolgen. Leichen müssen durch Militärfahrzeuge aus der Stadt gefahren werden. Doch hier ergeht ein Aufruf zur Freude und es wird unterstrichen durch ein so trautes Bild von Mutter und Säugling. Sie sind so innig und eng vertraut miteinander Und nichts scheint dieses kleine Glück stören zu können. Doch bei uns heißt es Abstand halten, soziale Kontakte reduzieren. Abstand mindestens anderthalb Meter!
Nein, dieses Lied aus dem letzten Kapitel des Propheten Jesaja ist nicht aus unseren Tagen. Dieses Lied stammt aus einer Vergangenheit von einem Volk, das ebenso vile durchgemacht hat. Ein Volk, das Strafe und Gericht kennt. Ein Volk, das so manches Unglück erleben und ertragen musste.
Und dennoch haben sie nicht aufgegeben. Dennoch hat sie Gott nicht aufgegeben, sondern wendet sich ihm wieder zu. Es wird ein Danach geben. Hört ihr schon die Musik? Den Reigen, den Tanz? Holt die Instrumente heraus! Singt und springt, jubelt und frohlockt fröhlich mit! Ja, es ist Zukunftsmusik. Es ist unvorstellbar, aber es wird in Zukunft so sein. Jetzt ist es noch nicht so. Heute und zur Stunde erleben wir noch das ganze Gegenteil, aber es wird so kommen, weil Gott es gesagt hat, weil er es uns zugesagt hat.
Noch ist es dunkel und unklar, dann aber wird es hell und freundlich und nah und herzlich und kuschelig sein. Wir werden uns nur noch freuen können mit der Stadt Gottes, mit Jerusalem. Denn diese Stadt stehet wie keine andere für Gottes Begegnung mit seinem Volk, mit uns Menschen schlechthin. In dieser Stadt hat Gott das Heil gestiftet. Hier hat er der Welt den Frieden gebracht, indem sein Sohn für uns alle am Kreuz starb. Vor den Toren der Stadt schrie Jesus: Es ist vollbracht! Hier erfüllte sich Gottes Liebe, indem Jesus die Sünden der ganzen Welt für uns trug. Er hat die Strafe auf sich genommen, die uns gilt. Er hat uns frei gemacht vom Fluch des Gesetzes. Wir hätten dieses Gesetz nicht erfüllen können. Jesus hat es als der sündlose für uns getan. Christus ist das unschuldige Lamm, das die Sünden der Welt hinweg nimmt.
Doch der Tod und das Grab war nicht das Ende, sondern Gott erweckte seinen Sohn aus dem Tod. Jesus ist auferstanden. Das ist die unvorstellbare Freude. Das sit das, was so unmöglich so phantastisch klingt. Menschlich gesehen ist der Tod der Abbruch aller Beziehungen, das völlig Ende. Es gibt kein Zurück und kein Danach mehr. Doch Gott tut Wunder. Wunder, die wir nicht verstehen und begreifen können. Wunder, die wir uns im Traum nicht vorstellen können. Es gibt ein Danach. Es gibt die Auferstehung der Toten!Daran dürfen wir uns jeden Sonntag erinnern. Jesus hat das Licht wiedergebracht in unsere vom Tod geprägten Zeit und Welt. „Die Sonne, die mir lachte, ist mein Herr Jesu Christ, das, was mich singend machtet, ist was im Himmel ist.“ (Ist Gott für mich so trete, ELKG 250, Strophe 13) Das ist unser Wunder, unser Trost, unsere Hoffnung, die uns von allen anderen Weltanschauungen unterscheidet. Wir können singen und fröhlich sein, weil Christus für uns den Himmel erworben und erkauft hat. Wir können gewiss sein, dass wir, die wir ihm vertrauen, mit ihm in der heiligen Stadt, im himmlischen Jerusalem leben und weben, singen und tanzen werden.
Ja, es ist Zukunftsmusik. Vielleicht muss es gerade heute, gerade in der Krise, in der Isolation, im Abstand dieser Text, dieses Wort von Nähe sein. So elementar, so beeindruckend, so herzallerliebst ist unser Gott, dass wir uns laben an der Güte Gottes. So fürsorglich nährend ist unser Gott. Wie eine Mutter, die ihrem Kind die Brust gibt. Und für das Kind ist es warm und weich und kuschelig und heilsam, sattmachend, stillend und nahrhaft. Alles was das Kind braucht, bekommt es durch die Mutterbrust: nicht nur Nahrung, sondern auch Liebe und Nähe und Wärme und Anschauen, sich geliebt und geborgen wissen und versorgt mit allen möglichen Nähr- und Abwehrstoffen. Das Kind braucht das alles gar nicht zu wissen. Verstehen würde es das sowieso nicht. Es reicht, wenn es fühlt, die Nähe und Geborgenheit spürt und sich sättigt mit warmer Muttermilch.
Muss man das denn ausgerechnet so sagen? Kann man nicht auch ganz andere Bilder verwenden?
Und tatsächlich, als wir im letzten Pfarrkonvent (12./13.03. in Berlin-Wedding) darüber sprachen, konnten wir uns das Bild des fröhlich und zufrieden glucksenden Säuglings oben von der Kanzel aus beschrieben, schlecht vorstellen. Es war ein Schmunzeln in der Runde, die mal zum einen, mal zum anderen ging. Ja, Gott will, dass wir schmunzeln, dass wir uns freuen an diesem innigen Glück. Und eben nicht von oben von der Kanzel her, sondern ganz nah und intim wie das Kind beim Trinken an der Mutterbrust. Da geht beim besten Willen kein Blatt Papier dazwischen!
Gerade weil wir es heute so nötig haben, ist es dieses Wort, das verkündigt werden will. Es führt uns an den Anfang, an unseren Anfang. Gott hat uns seitdem wir auf der Welt sind versorgt und besorgt. Gott hat für uns gesorgt und hat uns eine Familie gegeben, in der wir aufgewachsen sind. Er hat uns Fürsorgerinnen uns Fürsorger gegeben. Und es war schön und wohlig und warm.
Und selbst wenn heute alles anders scheint. Wenn heute der Tag trotz der Sonne so tot und trostlos und verlassen wirkt, will und wird Gott das enden und anders machen. So schön wie am Anfang bei der Mutter mit ihrem Säugling.
Ja, wir brauchen Trost. Trost für die kommende Zeit. Wir brauchen Halt von einem, der die ganze Welt in der Hand hält und ebenso unser kleines Leben. Und genauso, wie wir diesen Trost brauchen, wird er uns geschenkt werden, ganz selbstverständlich. Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.
Was ist das für ein Lied? Was ist das für ein Text? Wie kann man solch ein Freudenlied anstimmen in diesen ernsten Zeiten? Es gibt einen, der über unseren Horizont hinaussehen kann. Und er wird dafür sorgen, dass die Krise so ein Ende nimmt, dass wir es ertragen können. Und unser Herz wird sich freuen und unser Gebein wird wieder zu Kräften kommen und grünen wie Gras. Amen.

Fürbittengebet:

Herr Gott, himmlischer Vater, wir danken dir für den Trost deines Wortes. Wir danken dir, dass du Menschen vor uns getröstet hast und bitten dich:
Zeige dich und wende uns dein freundliches, dein gnädiges, dein mütterlich tröstendes Angesicht zu, dass wir nicht verzweifeln, sondern auf dich vertrauen.
Wir rufen zu dir: Herr erbarme dich.

Wir danken dir für deinen Sohn Jesus Christus, der für uns Mensch geworden ist und alle Todesangst und Schatten auf sich genommen hat. Wir danken dir, dass du den Tod besiegt hast und uns ein Leben in Herrlichkeit versprichst. Wir bitten dich um deine erbarmende Nähe, komm uns zu Hilfe und rette uns.   
Wir rufen zu dir: Herr erbarme dich.

Komm Heiliger Geist, erfüll die Herzen deiner Gläubigen und entzünde in uns das Feuer deiner göttlichen Liebe.
Wir rufen zu dir: Herr erbarme dich.

Wende die Corona-Epidemie von uns und allen Ländern. Schicke wirksame Hilfe und die nötige Kraft allen, die im Dienste der Gesundheit stehen.
Wir rufen zu dir: Herr erbarme dich.

Wir bitten dich für die bereits Erkrankten und Verstorbenen, für die Erzieherinnen in den Notbetreuungen, für die Einsatz- und Hilfskräfte, die Ärzte, die Schwestern, Pfleger und Hauswirtschaftskräfte.
Wir rufen zu dir: Herr erbarme dich.

Für alle, die ihre Arbeit verlieren, für die Menschen, die nicht wissen, wie sie über die Runden kommen sollen. Für alle, die am Ende sind.
Wir rufen zu dir: Herr erbarme dich.

Für alle, die Verantwortung tragen in Kirche, Politik, und Wirtschaft, Wissenschaft, den Medien und der Gesellschaft
Wir rufen zu dir: Herr erbarme dich.

Für alle, die an dir und deiner Güte zweifeln. Für alle, die um ihres Glaubens willen verfolgt oder gedemütigt werden.
Wir rufen zu dir: Herr erbarme dich.

Für die Flüchtlinge an den Grenzen. Für die Menschen, die ihr Zuhause verloren haben, die leiden unter Krieg und Blutvergießen
Wir rufen zu dir: Herr erbarme dich.

Für gute Lebensbedingungen, dass jeder Mensch Zugang zu klarem Wasser, Nahrung und Brot hat.
Wir rufen zu dir: Herr erbarme dich.

Für die Arbeitgeber, die Arbeitnehmer, die Vermieter und die Mieter, dass sie einen guten und gangbaren Weg finden, miteinander zu leben.
Wir rufen zu dir: Herr erbarme dich.

Für die Stillenden und Säugenden, für die Ehegatten, die Eltern und die Kinder, dass sie in Liebe und Treue verbunden bleiben.
Wir rufen zu dir: Herr erbarme dich.

Für die Alleinstehenden und Einsamen, dass du ihnen durch uns wirksame Hilfe schickst.
Wir rufen zu dir: Herr erbarme dich.



Erstellt von T. Lamprecht
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